Archiv der Kategorie: recht und billig

Smartphonomanie

Okay, ich habe ein Smartphone. Es ist nicht das beste und es ist auch nicht von DER Marke. Aber es bietet mir schon seit Jahren alles, was ich brauche. Und vorher hatte ich die Vorgänger der Smartphones, irgendein HTC-Ding, was von der Telekom vertrieben wurde. Man hatte einen Stift, mit dem man auf dem Bildschirm herumtippen konnte. Finger waren offiziell auch erlaubt, haben aber meistens nicht funktioniert. Und der Clou war: ich konnte eine PowerPoint-Präsentation aus meinem Telefon zaubern. Alle haben mich bewundert. Später kam Apple, die machten alles mit Wisch-Und-Weg. Der Rest ist Geschichte.

Jetzt hatte ich mal eine SIM-Karte, die noch viel Gesprächs-Geld drauf hatte. Und ich fragte mich: Wegschmeißen oder mit Billighandy abtelefonieren. Rechnerisch war ein Handy für 15 Euro kaufen günstiger. Als eingefleischter Smartphone-Junkie habe ich mich entschieden, was zu kaufen, was gar nichts kann, außer Telefonieren.

Die Entscheidung war schwer: Nokia als Klassiker oder Samsung als Billigster. Egal, ich werde euch nicht sagen, für was ich mich entschieden habe. Aber eins kann ich agen: Nach fast zehn Jahren Smartophonmanie ist es einfach ein Genuss, ein Telefon in der Hand zu halten, das wirklich nichts anderes tut, als telefonieren. Das Menüsystem kennt man nach einer Viertelstunde. Mehr ist dann einfach nicht drin. Okay, sie haben irgendein Sudoku eingebaut, aber keine Apps, keine Games, keine Options, einfach ein Genuss. Wirklich nur telefonieren. Die Welt kann so einfach sein. Ich werde nicht von meinen E-Mails, meinen WhatsApps und Telegraphs verfolgt. Ich bin sicher: Das Schlagwort der nächsten Generation wird Informationsreduktion sein. Wir haben alle zuviel. In Europa sterben mehr Menschen an Überernährung als an Unterernährung und es werden noch mehr an Überinformation als an Unterinformation sterben. Allen Smartphone-Junkies kann ich nur raten: Jede Form von Überkonsum ist schädlich! Burger oder 5-Zoll-Bildschirm, es kommt auf das Gleiche hinaus. Du wirst fett. Back to the roots! Redet mit euren Freunden und textet sie nicht mit sinnlosen WhatsEver oder Simsen zu! Ein simples Mobile ist eine Neuentdeckung. Man muss einfach nur reden….

 

Give them a fair trial and hang them!

Zur Syrien-Politik von Barrak Obama

Napalm, Agent Orange, Dioxine, Herbizide: es gibt fast keine chemischen Waffen, die die USA noch nicht im Krieg ausprobiert hätten. Und es ist noch gar nicht so lange her. Sie halten dem Iran die Pistole auf die Brust, weil dort Kernwaffen entwickelt werden: eine Waffenart die die USA seit langem besitzen und von der sie bereits grausamen Gebrauch gemacht haben. Im Irak galt: schuldig bei Verdacht. Die USA hat ein Land, das, wie sich später herausstellte, nicht schuldig im Sinne der Anklage war, sinnlos bombardiert. Nun will der Friedensnobelpreisträger in ein Land einmarschieren, für dessen „Fehlverhalten“ es wieder mal keine schlüssigen Beweise hat. „Common sense tells you…“ heißt es im Weißen Haus. Früher hat man gesagt: „Give them a fair trial and hang them!“ Das Urteil stand schon fest bevor auch nur die erste Untersuchungsbehörde das Land betreten hatte.

Eines muss man Obama lassen: als man ihm den Friedensnobelpreis verliehen hat, sagte er: „Ich bin nicht sicher, ob Sie diesen Preis dem richtigen Mann verleihen.“ Heute kann man sagen: Mit Sicherheit hat man ihn nicht dem richtigen Mann verliehen. Obama will seinen Krieg, so wie ihn Lyndon B. Johnson, Bill Clinton und die beiden George Bush ihn auch hatten. Leider steht er inzwischen als Kriegstreiber fast allein. Der Kongress möchte diesen Krieg nicht so richtig und das amerikanische Volk erst recht nicht. Interessant ist jedoch der Kreis der Nibelungen: Australien, Kanada, Frankreich, Italien, Japan, Südkorea, Saudi-Arabien, Spanien, die Türkei und Großbritannien. Einige von ihnen mit einer sehr interessanten Geschichte an angezettelten Aggressionskriegen. Das nächste Problem, vor dem Obama steht, ist die Suche nach Verbündeten in Syrien. Etwa in Ägypten, Libyen und dem Irak haben sich diese von uns gern so genannten „Rebellen“ als ganz normale islamische Fundamentalisten herausgestellt. Und noch ist nicht bewiesen, dass es diese Rebellen nicht waren, die in Syrien das Giftgas eingesetzt haben.

Totschlag vor dem Bruderkuss

Nachtrag zum deutsch-französischen Freundschaftsjubiläum

Nun ist es also verklungen, das Festspielgetöse zum deutsch-französischen Freundschaftsbund. Ein halbes Jahrhundert ist es her, dass die Erbfeindschaft der Erbfreundschaft wich. Pauken und Trompeten sind dieser Tage kaum zur Ruhe gekommen. Und man konnte sicher sein, dass nirgends offiziell die tatsächliche Begleitmusik für das benannt worden ist, was wir heute Freundschaft zwischen beiden Ländern nennen.

Schalmeien sollen es übertönen. Die deutsch-französische Annäherung nach dem Zweiten Weltkrieg gründete sich auf Leichenberge. Beim verbrecherischen Versuch Frankreichs, nach 1945 seine Kolonie Indochina wieder zurückzuerobern, haben Zehntausende Deutsche geholfen. Als dieser Vorgang zehn Jahre später in Algerien wiederholt wurde, waren es nur noch Tausende Deutsche, die dort auf Befehl der Franzosen ausführten, was sie in Hitlers Wehrmacht, Gestapo, SS, Sicherheitsdienst gelernt hatten. Wenn ein Nazi in die Fremdenlegion eintrat, schauten die Franzosen bei dessen Vergangenheit nicht mehr so genau hin. Verbrecher konnten sich auf diese Weise von ihren Taten reinwaschen. Mit Vietnamesenblut.

Richtig – es gab keine offizielle Beteiligung der Bundesrepublik an diesen Untaten. Aber Duldung, Wegschauen und Passivität können ebenfalls komplizenhafte Potenziale entfalten, darüber belehrt uns der Verlauf des 20. Jahrhunderts ausführlich. Niemals hat sich die Bundesrepublik bei ihrer Annäherungspolitik gegenüber Frankreich von dessen verbrecherischer Kolonialpolitik stören oder auch nur irritieren lassen. Niemals wurden heimgekehrte Fremdenlegionäre zur Verantwortung gezogen. Beim Schmieden des unverbrüchlichen Freundschaftsbundes wurde vom Totschlag ohne Zahl, gemeinsam verübt von Franzosen und Deutschen, einfach abgesehen. Und welcher Gedanke kann hier Pate gestanden haben, wenn nicht der: Wir haben bis 1945 Verbrechen begangen – ihr begeht sie heute. Und eine Krähe hackt der anderen bekanntlich kein Auge aus.

Ganze französische Einheiten in Indochina bestanden überhaupt nur aus Deutschen, mit Ausnahme der Offiziere. Dieser Krieg, der mit der Niederlage bei Dien Bien Phu 1956 endete, hat 1,7 Millionen Menschen das Leben gekostet, Menschen, die um ihre nationale Freiheit gekämpft hatten und sich nicht länger von den Europäern unterdrücken lassen wollten. Deutsche haben also auch nach dem Zweiten Weltkrieg in französischen Uniformen massenweise gemordet. Die deutsch-französische Aussöhnung gründete sich auf Millionen abgeschlachtete Asiaten und Afrikaner.

Wäre das jetzt ein Fall für unsere Aufarbeitungsindustrie, die seit zwei Jahrzehnten sich Tag für Tag die DDR vorknöpft? Weit gefehlt. Nichts würde ihr ferner liegen. Niemand im heutigen Frankreich, von Rechtsextremen vielleicht abgesehen, fände sich bereit, diese 20 Jahre andauernden Kolonialmassaker noch zu verteidigen. Genauso wenig jedoch sind unsere Aufarbeiter bereit, Verbrechen in die Untersuchung einzubeziehen, wenn sie vom freien Westen begangen wurden. Denn in diesem Fall müsste etwas einsetzen, was hinter die gesamte Aufarbeitungspolitik seit 1990 ein Fragezeichen setzen würde. Es würde sich der Vergleich mit den DDR-Verbrechen aufdrängen. Dann müssten diese Tugendwächter die simple Tatsache zugeben, dass die Verbrechen des Westens schlimmer, grauenhafter und mörderischer gewesen sind als die der DDR.

In diese Falle dürfen sie nicht laufen. Dieser entscheidenden Wahrheit wird im heutigen Deutschland kein Fußbreit zugestanden. Der Frevel an der historischen Wahrheit, der mit diesem Vorgehen verbunden ist, lässt sich kaum überschätzen.

Von Matthias Krauß

„Verordnete“ Demonstration gegen Vietnam-Agressoren

Politische Geschmacklosigkeit ersten Ranges auf dem Leipziger Nikolaikirchhof

In einer gemeinsamen Ausstellung informieren die BStU, Außenstelle Leipzig und das Europäische Solidaritätszentrum aus Gdańsk/Danzig über die „finstere“ Vergangenheit des Ostblock-Sozialismus. Der Gipfel dieser Peinlichkeit ist ein Foto, das eine Maidemonstration mit einem Banner „Hände weg von Vietnam!“ zeigt. Bildunterschrift: „Pflicht-Feierlichkeiten, die von der Regierung organisiert wurden – 1. Mai“.

Hände weg von Vietnam

Die Verurteilung des Vietnam-Krieges war damals vielen DDR-Bürgern und Polen Herzenssache. Die Menschen auf dem Foto wirken zudem in keiner Weise „gezwungen“. Hätten jede Regierung ihrem Volke damals solche Demonstrationen „verordnet“, wäre den Vietnamesen dieser sinnlose und grausame Aggressionskrieg mit Millionen von Opfern vielleicht erspart geblieben.

 

http://www.bstu.bund.de

Das Domino-Prinzip

oder: See you later plagiator!

Klip, klip, klip – ein Dominostein stößt den nächsten um. Wer hat als Kind nicht schon mal seine Dominosteine in der Reihe so aufgestellt, dass der erste Stein, wenn er angestoßen wird, alle anderen umfallen lässt? Auch promovierte Politiker und Amtsträger proben derzeit das Domino-Prinzip. Sie fallen reihenweise um, weil sie sich „verpromoviert“ haben. Genau so, wie man heute Kriminalfälle aus den letzten Jahrzehnten mittels DNA-Analyse sehr leicht aufklären kann, kann man nun zurückliegende intellektuelle Vergehen vermittels einer Spezialsoftware in kürzester Zeit ahnden. Und es hat jedem klar sein müssen, dass zu Guttenberg nur der Anfang, oder sagen wir besser: die Spitze des Eisberges gewesen ist. So manch etablierte Autorität steht jetzt als kleines Dummchen da. Die Anforderungen an eine Promotion in Deutschland sind schon ziemlich niedrig. Sie haben diese aber noch unterboten.

Wenn Sting singt „history teaches nothing“, so stimmt das also nicht ganz. In den Archiven und Bibliotheken Vergangenheit liegt brisantes Material aus der Vergangenheit: DNA-Proben, Stasi-Akten und eben Dissertationen. Diese Materialien lehren uns tatsächlich einiges. Aber was eigentlich? Wenn es die Dissertationen betrifft, wohl nur, was wir schon vorher gewusst hatten: dass man in Deutschland mit eher geringer geistiger Ausstattung ganz gut eine politische oder Amts-Karriere machen kann. Eine gewisse Beschränktheit scheint inzwischen sogar Zugangsvoraussetzung für ein politisches Amt zu sein. Geistig zurechnungsfähige Menschen haben offenbar zu viele Selbstzweifel, als dass sie in der Sphäre der verbalen Schlammschlachten überleben könnten.

Die beim Schummeln Ertappten scheinen jedoch weniger von Selbstzweifeln geplagt zu sein. Ihrem Vorbild zu Guttenberg folgend liefern sie Rückzugsgefechte der billigsten Art. Von Teileingeständnissen, faulen Ausreden wie „man hat mich nicht in die Prinzipien wissenschaftlichen Arbeitens eingewiesen“ bis zu aggressiven Repliken und Klagen des Anwalts beherrschen sie alle das Instrumentarium der schrittweisen Selbstentblößung virtuos. Dass das schon mal schiefgegangen war, ist für sie kein Argument. Lernfähigkeit, soweit waren wir ja schon, gehört nicht unbedingt zu ihren Stärken. Jeder glaubt, dass er derjenige Dominostein in der Reihe ist, der vielleicht nicht umfällt oder wenigstens wiederaufgestellt wird. Eine Illusion, die sie mit den reihenweise ertappten Stasi-IMs und Kinderschändern  teilen. Allerdings gibt es einen kleinen Unterschied zwischen dem Domino-Kinderspiel und der Reihe der Plagiatsvorwürfe: bei der Reihe der Domino-Steine weiß man vorher schon genau, wie viele umfallen werden.

 

Christoph Columnus

Das Guttenberg-Syndrom

Um es vorweg zu nehmen: Ich bin dafür, dass zu Guttenberg im Amt bleibt oder der halbe Bundestag gefeuert wird. Der faux pas, den er sich geleistet hat, ist politisch weitgehend irrelevant. Es wäre schade, wenn er wegen einer Nebensächlichkeit entlassen wird und die großen Schweinereien im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Krieg ungesühnt bleiben. Da müssten aber, wenn er geht, nach gleichen Maßstäben viele andere auch gehen.

Erinnern wir uns: Seit Roland Koch ist die Lüge ein legitimes Mittel der deutschen Politik. Roland Koch hatte lauthals erklärt, dass er von den hessischen CDU-Spendenaffären nichts gewusst hat. Es stellte sich heraus, dass er alles gewusst hatte und er blieb im Amt. Später wurde er sogar erneut demokratisch legitimiert. Das bedeutet, dass auch der Wähler die Lüge als Mittel der Politik akzeptiert hat.

Anders zu Guttenberg: Er hat vor der Affäre, von ein paar kleineren Notlügen abgesehen, die man ihm nachgesehen hat, selbst nicht offen gelogen. Für das eigentliche Verbrechen, an dem er beteiligt ist, das Elend, das sich derzeit in Afghanistan abpielt, gehört der halbe Bundestag entlassen. Seine „Fälschungen“ in der Dissertationsschrift waren politisch nicht relevant. Sie ruhen in einem Buch, das, wenn man nicht zufällig darauf gestoßen wäre, aufgrund seiner geringen wissenschaftlichen Bedeutung für ewig in den Archiven und Bibliotheken verstaubt wäre. Politisch relevant und schwerwiegend sind seine folgenden Lügen: Richtig gelogen hat er erst im Rückzugsgefecht um seinen Doktortitel. So blöd kann niemand sein: Entweder er hat die Stellen bewusst geklaut und verändert oder er hat einen Ghostwriter beschäftigt.

Falls er die Arbeit selbst geschrieben hat, stellen sich eine Reihe von Fragen. Warum hat er, wenn man an vielen Universitäten die Seitenzahl einer Promotion auf 150 Seiten begrenzt (in Bayreuth allerdings nicht), so ein Riesenwerk geschrieben, in dem praktisch nichts steht? Schwer zu sagen. Vielleicht hat ihn der Doktorvater ermuntert? Vielleicht glaubte er mit mehr Umfang eine bessere Bewertung erreichen? Vielleicht wollte er selbst mal ein richtiges Buch und keine dünne Broschüre verfasst haben?

Was die Plagiate selbst betrifft, ist Folgendes klar: zu Guttenberg muss über mehrere Jahre klar gewesen sein, dass er mit fremden Textstellen arbeitet. Er hat sie intelligent eingefügt, dem Textfluss angepasst und selbst thematisch passen sie einigermaßen. Diese Arbeit muss begleitet gewesen sein von einem Bewusstsein seiner geistigen Unzulänglichkeit, Ähnliches mit eigenen Worten zu formulieren. Auch hier stellt sich die Frage: Warum? Warum hat er überhaupt promoviert? Er wäre auch ohnedies Minister geworden. Es scheint für alle diese Rätsel nur eine Erklärung zu geben: eine übermäßige Eitelkeit. Wenn man diese allerdings mit seinem „kreativen“ Umgang mit fremden Quellen zusammenrechnet, hat man allerdings ganz wichtige Voraussetzungen für das Handwerkszeug eines Politikers.

Diese Eitelkeit zusammen mit der in Deutschland sehr üblichen Praxis von Gefälligkeitspromotionen ergab die „kritische“ Masse, die ihn zu diesem unseligen Promotionsverfahren geführt hat. Es gibt genug Doktoren, die Schwierigkeiten haben, einen grammatikalisch korrekten Satz zu bilden. Von diesen hebt sich zu Guttenberg wohltuend ab. Insgesamt stellt sich also nicht sosehr die Frage nach Amt und Titel des Verteidigungsministers, sondern nach den Professorentiteln von Doktorvater und Gutachtern. Wer sein Fachgebiet beherrscht und die Arbeit wirklich aufmerksam gelesen hat, muss wenigstens Verdacht geschöpft haben. Ein Teil der Ideen, die zu Guttenberg „übernommen“ hat, sind wie auch ihre Autoren bekannt. Und: Eine Dissertation in Deutschland muss nach der Promotionsordnung der meisten Universitäten nicht notwendigerweise originell sein. Aber man muss auch nicht jeden Mist mit der Bestnote summa cum laude bewerten.

Christoph Columnus

 

Nachtrag vom 2.3.2011: Die Rücktritssrede hat die hier vertretene These, das zu Guttenberg von seiner eigenen Eitelkeit bis auf die Knochen durchfressen ist, bestätigt. Sein Argument, dass man sich um seine Dissertation gekümmert habe, nicht aber um die in Afghanistan gefallenen Deutschen deutet auf den eigentlich neuralgischen Punkt hin: Als Kriegsbefürworter ist er an deren Tod mit schuld!

Burning desire

Kürzlich habe ich mit meiner Tochter ein Experiment aus einem Chemie-Experimentierbuch ausgeführt. Dort heißt es, dass man einen Geldschein anzünden kann, ohne ihn zu verbrennen. Man muss ihn vorher in eine speziell zubereitete Alkohol-Wasser-Mischung tauchen. Dann brennt er und wenn das Feuer erlischt, ist er unversehrt. Bei uns klappte es natürlich nicht und der Fünf-Euro-Schein wurde schwarz.

Das misslungene Experiment gab mir zu denken: Vielleicht war auch die Mischung von Alkohol und Wasser nicht richtig oder aber es funktioniert mit Zwanzig-Euro-Scheinen besser. Die sind sicherlich „wertiger“ hergestellt. Ich schaue in mein Portemonnaie und finde dort einen Zwanziger. Vielleicht sollte ich es versuchen? Oder doch besser gleich mit einem Hunderter? Ich habe nur zwei Fünfziger, die müsste ich vorher tauschen. Wenn mich jemand fragt, wofür, was soll ich da antworten? „Zum Verbrennen?“ – Ich bekämpfe meinen inneren Drang gewaltsam mit dem Resultat, dass ich in der Nacht von brennenden Hundertern, Zweihundertern und Fünfhundertern träume. Sie strahlen eine wohlige Wärme aus.Beim Kaffee am darauf folgenden Morgen erzähle ich mir: es ist alles Quatsch! Hunderter verbrennen, so eine Idiotie! Aber irgendwie: das Verlangen bleibt.

Als ich dann in den Nachrichten sehe, das die Bayerische Landesbank dreieinhalb Milliarden in den Sand gesetzt hat, in den Sand(!???) dann kommen mir die Tränen. Ich stelle mir vor, welch schönes Geldfeuerchen man damit hätte entfachen können. Diese Traumtänzer! Sie hätten sich stattdessen ein Jahr lang täglich an einem Kaminfeuer von Hunderttausend 100-Euroscheinen wärmen können.

Milchmädchenrechnung

Die Gutgläubigkeit und Medienhörigkeit des deutschen Publikums übersteigt alle rationalen Grenzen. Das Ding von der Finanzkrise wird geschluckt und verdaut ohne Zwischenhalt. Zur Erinnerung: Als 2000 die Börsenkurse einbrachen hat niemand von Finanzkrise geschwafelt, obwohl der Einbruch viel stärker war als 2008. Der Dax war von 8.136,16 Punkten im März 2000 auf einen Tiefststand von 2.188,75 Punken im März 2003 gesunken. Er hatte sich fast geviertelt. Keine Finanzkrise! Von August 2007 mit einem Wert von 8.105,69 fiel er im Rahmen der „Finanzkrise“ auf 3.666,41 Punkte im März 2009. Gerade mal etwas mehr als eine Halbierung!

Warum war nun die Viertelung keine Finanzkrise und die Halbierung die schwerste seit 1929? Ganz einfach: Von 2000 bis 2003 hat man vor allem die Kleinanleger abgezockt. Viele von ihnen blieben drin bis zum bitteren Ende und verloren alles, was sie hatten, zum Teil sogar ihre Altersvorsorge. Die Banken und Großanleger waren längst raus. Am Tiefststand wurde den Kunden von den Banken noch geraten, endlich zu verkaufen, weil den ständigen Verfall des Vermögens könne ja keiner mit ansehen. 2008 hat es dagegen „die Richtigen“ auf dem falschen Fuß erwischt. Diesmal sind die institutionellen Anleger eingebrochen. Diesmal gab es kein gegenseitiges Kopfnicken und ein Rückzug aus den Märkten wie auf Absprache sondern ein Blutbad unter Großbanken und Versicherern.

„Vermögensvernichtung von nie gekanntem Ausmaß“ wird uns erzählt. – Vermögensvernichtung? So einfach geht das nicht. Immerhin ist die Geldmenge M3 sogar gestiegen! Es ist also alles noch da! Der alte Börsenspruch bei Kursverlusten: „Nein, nein, Ihr Geld ist nicht weg, das haben jetzt nur Andere“ gilt noch immer. Die große Preisfrage ist nur: Wer?

Schuldig bei Verdacht

Wie auf Kommando fallen die deutschen Medien über die gewählte Regierung im Iran her. Die Oberdemokraten fordern neue Wahlen. Ahmadinedschad hat betrogen, das weiß doch jeder!

Jeder? Niemand weiß es! Er kann betrogen haben oder auch nicht. Wir werden es wahrscheinlich nie erfahren. Vielleicht ist es in diesem Zusammenhang interessant, herauszufinden, wer den Iran wirklich und nachweislich betrogen hat? Die Geschichte der britischen USA-Einflußnahme im Iran seit der Nachkriegszeit kann man nur mit Betrug bezeichnen. Erst installieret man ein Marionettenregime mit Schah, Mohammad Reza Pahlavi, und als das nicht so richtig funktioniert und Ayatollah Chomeini  mit einer von den Massen begrüßten islamischen Revolution antwortet, wird Saddam Hussein mit eindeutiger USA-Unterstützung auf den Iran gehetzt.

Zurück zu den Wahlen: die deutsche Presse behandelt die Tatsache, das Ahmadinedschad Wahlfälschung betrieben hat, als etablierte Tatsache. Was aber, wenn nicht? Dann kämpfen sie gegen die Demokratie! Dann kämpfen sie gegen demokratische Entscheidungen des iranischen Volkes! Das hat Tradition in der Bundesrepublik. Demokratie ist hier nur etwas wert, wenn der richtige gewählt wird. Hierzu muss man sich nur die Debatten in Deutschland nach der Wende ansehen, als den Ostdeutschen vorgeworfen wurde, sie seien zu blöd SPD oder CDU zu wählen. Parteien zu wählen, die nicht zum angestammten westdeutschen Spektrum gehörten, galt nicht als „Demokratie“.

Die Kommentare zu den Wahlen im Iran sind beredtes Beispiel für diese Demokratieauffassung. Da der Wunschkandidat nicht gewählt wurde, sind die Wahlen falsch. – Vielleicht sind sie gefälscht,  ich wiederhole es. Aber solange wir das nicht wissen können, ist es antidemokratisch diese Wahlen zu kritisieren. Faszinierend, dass es nur eines kleinen Antippens bedarf und alle Prinzipien der Demokratie, die sich die Apologeten dieser Gesellschaft gegenseitig gern immer wieder erzählen, kippen sofort um oder münden in einer offenen Ermunterung zum Terrorismus.

Die Partei hat immer recht

Schöpfer des SED-Parteitagsliedes hat es jetzt ins deutsche Schulbuch geschafft

Erinnern Sie sich noch an das SED-Parteitagslied „Die Partei hat immer recht“? Der Schöpfer dieses Werks hat jetzt – so unglaublich das klingt – den Sprung in die bundesdeutschen Schulbücher geschafft. Und der Clou dabei: Diejenigen, die das veranlasst haben, wissen es nicht einmal.

Wie das kam? Vor einigen Tagen wurde in den Medien berichtet, dass der Hit der ostdeutschen Rockband Puhdys „Alt wie ein Baum“ jetzt Aufnahme gefunden hat in diversen Schulbüchern. Genannt werden die Schulbuchverlage Klett in Leipzig, Cornelsen in Berlin, Westermann in Braunschweig.

Doch ist das eben nur die halbe Wahrheit, denn der Text dieses Liedes ist nicht originär von der Band. Wer die DDR-Schule durchlaufen hat, der könnte es wissen: „Alt möchte ich werden wie ein alter Baum“ ist ein Gedicht von Louis Fürnberg, jenes Fürnbergs, der sich vor allem mit dem Lied „Die Partei, die Partei, die hat immer recht“ ein Denkmal setzte. Anfang der Fünfzigerjahre hatte der Dichter nicht allein den markigen Text geliefert, sondern auch gleich noch die Melodie dazu.

Die Puhdys haben Fürnbergs Vorgabe vom alten Baum gekürzt, bearbeitet und einfach daraus ein Lied gemacht. Übrigens ist den Rockern kein Vorwurf zu machen. Denn in ihrer Version von „Alt wie ein Baum“ heißt es ja ganz direkt: „… genau wie der Dichter es beschreibt“. Und nach diesem Dichter hätten sich die Schulbuchplaner erkundigen müssen. Das erspart später unter Umständen eine Menge Ärger.

Die Frage ist nun, darf man die Puhdys-Variante des Fürnberg-Gedichtes im heutigen Schulbuch abdrucken, ohne wenigstens darauf hinzuweisen, dass die Idee eigentlich ein anderer gehabt hatte?

Laut einer Zeitung haben die Puhdys 19,50 Euro Tantiemen für den Schulbuchabdruck von „Alt wie ein Baum“ erhalten. Wahrscheinlich wäre es gerecht und auch im Sinne der Urheber-Gesetzgebung, wenn sie jetzt öffentlichkeitswirksam die Hälfte davon den Fürnberg-Erben überweisen würden.