Archiv der Kategorie: Allgemein

Smartphonomanie

Okay, ich habe ein Smartphone. Es ist nicht das beste und es ist auch nicht von DER Marke. Aber es bietet mir schon seit Jahren alles, was ich brauche. Und vorher hatte ich die Vorgänger der Smartphones, irgendein HTC-Ding, was von der Telekom vertrieben wurde. Man hatte einen Stift, mit dem man auf dem Bildschirm herumtippen konnte. Finger waren offiziell auch erlaubt, haben aber meistens nicht funktioniert. Und der Clou war: ich konnte eine PowerPoint-Präsentation aus meinem Telefon zaubern. Alle haben mich bewundert. Später kam Apple, die machten alles mit Wisch-Und-Weg. Der Rest ist Geschichte.

Jetzt hatte ich mal eine SIM-Karte, die noch viel Gesprächs-Geld drauf hatte. Und ich fragte mich: Wegschmeißen oder mit Billighandy abtelefonieren. Rechnerisch war ein Handy für 15 Euro kaufen günstiger. Als eingefleischter Smartphone-Junkie habe ich mich entschieden, was zu kaufen, was gar nichts kann, außer Telefonieren.

Die Entscheidung war schwer: Nokia als Klassiker oder Samsung als Billigster. Egal, ich werde euch nicht sagen, für was ich mich entschieden habe. Aber eins kann ich agen: Nach fast zehn Jahren Smartophonmanie ist es einfach ein Genuss, ein Telefon in der Hand zu halten, das wirklich nichts anderes tut, als telefonieren. Das Menüsystem kennt man nach einer Viertelstunde. Mehr ist dann einfach nicht drin. Okay, sie haben irgendein Sudoku eingebaut, aber keine Apps, keine Games, keine Options, einfach ein Genuss. Wirklich nur telefonieren. Die Welt kann so einfach sein. Ich werde nicht von meinen E-Mails, meinen WhatsApps und Telegraphs verfolgt. Ich bin sicher: Das Schlagwort der nächsten Generation wird Informationsreduktion sein. Wir haben alle zuviel. In Europa sterben mehr Menschen an Überernährung als an Unterernährung und es werden noch mehr an Überinformation als an Unterinformation sterben. Allen Smartphone-Junkies kann ich nur raten: Jede Form von Überkonsum ist schädlich! Burger oder 5-Zoll-Bildschirm, es kommt auf das Gleiche hinaus. Du wirst fett. Back to the roots! Redet mit euren Freunden und textet sie nicht mit sinnlosen WhatsEver oder Simsen zu! Ein simples Mobile ist eine Neuentdeckung. Man muss einfach nur reden….

 

Kalte Kriegspropaganda in der Leipziger Volkszeitung

Wenn die LVZ (15,04.2014, S. 3) titelt „Ist die Ost-Ukraine schon verloren?“, unterscheidet sich das von einer reinen Frontberichterstattung praktisch nicht mehr. Die Ost-Ukraine wäre also „verloren“, wenn sie an Russland fällt. Fällt sie an die Ukraine und damit an Westeuropa ist sie „gewonnen“. Klarer geht es nicht. Frontenkrieg zwischen „Wir, die Guten“ und „Rußland, die Bösen“. Offenbar das komplette Koordinatensystem dreier sächsischer Tageszeitungs-Journalisten. Alles was Michail Gorbatschow befürchtet hatte, ist eingetroffen. Nicht nur dass NATO-Truppen nun an russischen Grenzen stehen, sondern dass ein Großteil der freiheitlich-westlichen Propaganda die alten kalten Kriegsstrukturen wieder aufleben lässt.

An jeder anderen Ecke der Welt, Tschetschnien, Kroatien, Slovenien, war der Westen für Selbstbestimmung und Abtrennung. Nun versucht eine russische Mehrheit (!) sich Russland anzuschließen, dem sie ethnisch zugehören und in dem sie materiell auch besser leben. Diese durchaus menschlichen Gründe, aus denen viele DDR-Bürger für eine Wiedervereinigung votiert haben, sind uns hier auf einmal ferngesteuert.

Der zweite Beitrag auf der gleichen Seite setzt die Kriegsberichterstattung fort: „Nato setzt mit Seemanövern Zeichen der Stärke“. Beide Überschriften erinnern an eine Zeit, die in Deutschland schonmal als „aufgearbeitet“ galt. Das, was man Putin vorwirft, die Truppen an der Grenze zusammenziehen, tut die NATO nun selbst. Was erwartet man nun von ihm, nachdem man Rußland immer mehr auf die Pelle gerückt ist und die Fronten neu erschaffen hat? Abwarten?

Vietmam forever

zdf info (11.01,2014): Keiner der Schergen der Macht (deutsche Historiker) haben die Legimtimität des Krieges wirklich hinterfragt, Sie schildern, aber sie bewerten nicht. Die Amerikaner haben an diesem Kriege bezweifelt, nicht weil er illegitim war, sondern weil er erfolglos war. Was haben die Amerikaner in einem Gebiet Südostasien zu tun, das von den Franzosen schon reichlich völkerrechtswidriig „befallen“ worde war.

Support-Erlebnis bei Sony

Sony will bei der Smartphone-Produktion in Zukunft eine Spitzenstellung einnehmen. Da gibt es bei der derzeitigen Support-Situation noch einiges zu tun. Bei der Suche nach Reparaturzentren sind Mobiltelefone in der Produktauswahl nicht erwähnt. Ich habe es mal mit dem Support-Chat versucht. Gesamtdauer etwa eine dreiviertel Stunde. Namen habe ich anonymisiert.

Chat Transcript:

Bitte warten Sie, während wir Ihnen zur Unterstützung einen Kundenberater zuweisen. Sie befinden sich in der Warteschlange derzeit an Position 1. Sie sind jetzt mit einem Kundenberater verbunden. Sony-Support: Herzlich Willkommen im Sony Xperia Support, mein Name ist Sony-Support. Bitte teilen Sie mir zunächst Ihren Vor- und Nachnamen und Ihre E-Mail-Adresse mit, damit ich Ihre Frage optimal bearbeiten kann. Vielen Dank!

Ich:Mein Name, meine@email.de

Ich (nach etwa zwei Minuten): Hallo… Sony-Support: Haben Sie denn schon versucht mit dem Tipo ein Update am PC zu machen?

Ich: Nein, ich habe die Versionen verglichen und das Handy ist auf dem neuesten Stand. Es gibt kein neueres Update.

Sony-Support: Haben Sie denn am PC versucht das Betriebssystem einmal neu aufzusetzten. Ich: Nein, Hilft das? Dann müsste ja das vorhandene fehlerfahft sein…

Ich: In den Foren sagten die Teilnehmer, dass bei diesem Problem, das nicht selten auftaucht, der Service irgend ein Patch aufspielt.

Sony-Support: Können Sie bitte das Problem nicht durch Foren verallgemeinern, denn dort fehlen eindeutig Informationen um die fehlerquelle konkret ermitteln zu können.

Sony-Support: Meist hängen solche Fehler mit einem fehlerhaften Branding zusammen, dass nicht nur von netzbetreibern aufgespielt wird, sondern immer öfter auch von Händlern.

Sony-Support: Wie lautet denn die IMEI-Nummer Ihres Gerätes? Ich: Wo finde ich die? Die Modellnummer ist ST2li2.

Sony-Support: Die IMEI-nummer finden Sie auf dem Gerätesticker, der sich zum einen im Gerät selbst befindet und zum anderen auf dem Karton

Ich: Ich fürchte, den Karton habe ich nicht mehr und den Gerätesticker finde ich auch nicht. Ist sie nicht im Gerät selbst zu finden? Ansonsten habe ich das Gerät unabhänigg von einem Provider erworben.

Sony-Support: Im Gerät klebt ein Sticker, entfernen Sie bitte die Rückabdeckung

Ich: Im Deckel steht Wi232.7A 0

Sony-Support: Nicht im Deckel

Sony-Support: Im Handy und auf dem Sticker steht IMEI

Ich: Wo dann? Da ist kein Sticker. Soll ich die Batterie herausnehmen? Vielleicht ist er dahinter?

Sony-Support: Ja.

Ich: Da sind sehr viele Nummern: Type FCC ID IC SI. Welche ist es? von IMEI sehe ich nichts Sony-Support: Dort steht IMEI

Sony-Support: Die Nummer selbst ebginnt mit 012… oder 35… und besteht aus 15 Zahlen, keine Buchstaben. Ich: Dass Sie diese Nummer meinen, kann ich nicht ahnen. Eine Formulierung IMEI gibt es dort nicht. Die Nummer, die Sie wahrscheinlich meinen ist 353xxxxxxxxx

Sony-Support: Können sie sich bitte einmal via Hotline melden. Ich: Erreiche ich Sie da oder muss ich das ganze Problem von vorne schildern?

Sony-Support: Ich mache nur den Chatsupport, aber ich habe Sie mit der Emailadresse in der Anfragehistorie aufgenommen, diese kann der Kollegen dann direkt einsehen.

Ich: okay, verstehe ich jetzt nicht so richtig, warum ich den Support-Kanal auf einen kostenpflichtigen wechseln muss. So ergeht es Kunden, die Ihnen eine Reparatureinsendung ersparen möchten… Viele Grüße

Faule Eier und Stünkende butter

Exklusivinterview mit Friedrich II. zu  dessen 300. Geburtstag

wn:  Majestät, was halten Sie von dem Rummel um Ihren Geburtstag?

F: Ich bitte um deutlichen bericht an. In dunkeln Sachen verstee ich armer Teufel nicht.

wn:  Allein in Potsdam 150 Veranstaltungen dazu.

F: Mir scheint, dass alles ein Maß haben muß.

wn:  Das auf Ihren Befehl hin trockengelegte Oderbruch, Majestät, ist im vergangenen Jahr sozusagen abgesoffen. Was sollen die Behörden da tun?

F: Solche Idioten und Schelme wie die Landbaumeisters bei den Cameren seindt in der Welt nicht zu finden. Sie sollen nicht so faul sein, nicht so viel reisen, sondern mehr arbeiten, auf das bei Sachen, dar es höchst nöthig ist, das promte hülfe geschiehet, solches nicht verseumet wird. Wor die Räthe nicht Blei im hindern haben, muß der Treibsamste hingeschicket werden umb die Arbeit zu accelleriren.

wn:  Das Land Brandenburg hatte Dienstwagenaffären, aber Ihre Präsidenten wollten bekanntlich auch immer mehr Dienstpferde haben.

F.: Kerls sollen 8 Pferde haben und wan sie corpulenter wirdt 10 bis 12.

wn:  Seit 1990 ist das deutsche Vaterland vereint, Majestät, viele und vor allem hohe Beamte  aus West- und Süddeutschland herrschen jetzt in Potsdam. Auch Sie haben ja seinerzeit Erfahrungen mit Westdeutschen gesammelt.

F.: Das sein dumme Oxen, aber malitiös wie der Deuffel, die Nacion ist intrigant und falsch dabei und saufen wie die Beester, mehr wissen sie nicht.
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„Verordnete“ Demonstration gegen Vietnam-Agressoren

Politische Geschmacklosigkeit ersten Ranges auf dem Leipziger Nikolaikirchhof

In einer gemeinsamen Ausstellung informieren die BStU, Außenstelle Leipzig und das Europäische Solidaritätszentrum aus Gdańsk/Danzig über die „finstere“ Vergangenheit des Ostblock-Sozialismus. Der Gipfel dieser Peinlichkeit ist ein Foto, das eine Maidemonstration mit einem Banner „Hände weg von Vietnam!“ zeigt. Bildunterschrift: „Pflicht-Feierlichkeiten, die von der Regierung organisiert wurden – 1. Mai“.

Hände weg von Vietnam

Die Verurteilung des Vietnam-Krieges war damals vielen DDR-Bürgern und Polen Herzenssache. Die Menschen auf dem Foto wirken zudem in keiner Weise „gezwungen“. Hätten jede Regierung ihrem Volke damals solche Demonstrationen „verordnet“, wäre den Vietnamesen dieser sinnlose und grausame Aggressionskrieg mit Millionen von Opfern vielleicht erspart geblieben.

 

http://www.bstu.bund.de

Ein Steinbruch guter Ideen

Wo die Bundesrepublik sich die DDR zum Vorbild nahm

Als Bundeswissenschaftsministerin Annette Schavan (CDU) kürzlich ihre neueste Errungenschaft pries, das nunmehr eingeführte Leistungsstipendium, hielt sie es für erwähnenswert, dass »erstmals« an deutschen Hochschulen und Universitäten dieses Instrument zum Einsatz gelangen könne. Natürlich ist das einer dieser Sätze, mit denen man sich in Ostdeutschland blamiert. Frau Schavan hätte einfach mal mit ihrer Chefin Angela Merkel reden sollen; die Trägerin der Lessing-Medaille hätte ihr etwas von Leistungsstipendium zu DDR-Zeiten erzählen können. Dieses Leistungsstipendium aber ist mehr, ist das vorerst letzte Glied in einer beeindruckenden Serie von Beispielen, in denen die Bundesrepublik jene Auffassungen, Grundsätze und Formenelemente, Regeln und Gepflogenheiten einführte oder sogar übernahm, die zuvor in der DDR entwickelt bzw. praktiziert worden waren. Ungeachtet aller Repression, weltanschaulicher Einseitigkeit, offenkundiger Ablehnung der Demokratie in ihrer westlichen Variante und dem Verrammeln von Türen Richtung Westen galt also für die DDR auch dies: Sie hat jede Menge Türen aufgestoßen, durch welche die Bundesrepublik ihr viel später folgte. Nicht nur auf das Leistungsstipendium trifft zu: Der »Unrechtsstaat« dient bis heute als ein Steinbruch guter Ideen.

Nicht immer hatte die DDR in einem so offensichtlichen Sinne wie bei der Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze als verbindliche deutsche Ostgrenze ohne Wenn und Aber die Nase vorn. Aber gerade in diesem Falle handelte es sich um einen entscheidenden und sehr symbolträchtigen Punkt. Was 1950 einer der ersten diplomatischen Akte der DDR war, das war 1990 einer der letzten der alten Bundesrepublik: eine identische staatspolitische Handlung mit 40-jähriger Verzögerung.

Die Annäherung an DDR-Positionen durch die Bundesrepublik erfolgte daneben vor allem auf Feldern, die tief in das praktische Leben eingriffen. Ausdruck dafür war der kürzlich medial überaus breit gefeierte 100. Internationale Frauentag. Seltsam: 20 Jahre ist dieser Frauentag als Ostfolklore und zu belächelndes DDR-Relikt abgetan worden. Warum eigentlich? Vielleicht, weil der östlich gelegene Staat im Punkt Frauenrechte der Bundesrepublik Epochen voraus gewesen ist? Mit dem erklärten Grundsatz »Gleicher Lohn für gleiche Arbeit« kam die DDR zur Welt. Bis heute müht sich Deutschland vergeblich, hier halbwegs gerechte Verhältnisse herzustellen.

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Was, äh, machen wir da eigentlich in Afghanistan?

Deutschland hat Jahre gebraucht, um herauszufinden, was die eigene Armee in Afghanistan da eigentlich tut. Es mussten erst Soldaten sterben, ehe man das Wort „Krieg“ in den Mund nahm. Noch überraschender ist, dass unserer Verteidigungsminister darüber „überrascht und traurig“ ist, Wenn ich militärische Einheiten in ein Land entsende, die mit Geräten zum Töten ausgerüstet sind, und diese gegen vermeintliche Feinde einsetzen, kann ich nicht erwarten, dass sich dort niemand wehrt. Die „cleane“ Bomberei der US-Amerikaner im Irak hat den Eindruck erweckt, dass man militärische Operationen ohne jegliche Gegenwehr ausführen kann. Wenn sich die Truppen nicht in der Sicherheit von mehreren Tausend Metern in der Höhe befinden, sondern auf ebener Erde sieht das allerdings etwas anders aus. Es sterben nicht nur immer die anderen.

Noch katastrophaler als die Frage nach Krieg oder Nicht-Krieg sind die Antworten auf den Sinn des Einsatzes. Was wollen wir da eigentlich in Afghanistan und was können wir dort erreichen? Der derzeitige „Kampfauftrag“ der Bundeswehr ist eine Art militärisches Herumstehen. Es gibt keinen Kampfauftrag und keinen Feind, der bekämpft wird. Die Deutschen sind einfach nur da. Nichts mehr. Sie tun nichts, außer sich mit sich selbst zu beschäftigen. Eine Art militärische Onanie sozusagen, bei der sie immer mal überrascht werden. Was für die Entwicklungshilfe in Afghanistan ausgegeben wird, ist weniger als ein Hundertstel der Militärausgaben. Für die Ausbildung der Afghanischen Polizei und Armee hätte man zwanzig oder fünfzig gute Ausbilder schicken können, der Rest ist überflüssig. Wir versuchen einen Feind zu bekämpfen, den unsere Alliierten überhaupt erst geschaffen haben. Die Taliban sind ein amerikanisches Produkt aus Zeiten, in denen es noch gegen die Sowjetunion ging. Wenn man die Wortakrobatik zur Begründung des Einsatzes verfolgt, könnte mal das alles als eine einigermaßen teure Komödie betrachten. Die Afghanistan-Toten auf allen Seiten machen den Einsatz allerdings nicht nur zu einer Farce, sondern zu einer sinnlosen Tragödie.

Angela Merkel und der 18. Brumaire

Angela Merkel hatte als Kind beneidenswert gute Noten im DDR-Staatsbürgerkundeunterricht, und unsereiner wähnte sie demnach nicht allein bibel- sondern auch sonst zitatenfest. Bei einer Podiumsdiskussion Mitte August indessen zeigte sich, dass doch nicht jeder Lehrsatz des Karl Marx unwandelbar bei ihr haften geblieben ist. Und es erwies sich einmal mehr, dass Zitate mitunter auch Glückssache sind. Auf die Frage, ob ihr an einer Fortsetzung der Koalition mit der SPD  gelegen sei, antwortete sie mit der Weisheit: „Die Geschichte wiederholt sich nicht, es sei denn, als Farce“.

Wir sehen uns gezwungen, Sie an dieser Stelle ein wenig zu berichtigen, verehrte Frau Kanzlerin. Sie haben sich auf das Feld des marxistischen Klassikers begeben, und der berühmte erste Satz seines „18. Brumaire“ lautet: „Hegel bemerkte einmal irgendwo, dass sich alles historische Geschehen gewissermaßen zweimal vollzieht. Er hat vergessen hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie und das andere Mal als Farce.“

Wenn Sie nun aber, verehrte Kanzlerin, mit Ihrem Einwand unsereinem zu verstehen geben wollten, dass Ihre bisherige Koalition mit der SPD für Deutschland eine Tragödie war, dann wäre dies etwas, dem wir nichts hinzuzufügen hätten.

Kleinsparer klein gemacht und gut verschmiert: schönes neues 2009!

„Erklär mir meine Rechte, sperr mich ein, ich will von dir verhaftet sein!“ Element of Crime hat die demütige Haltung der Bundesbürger gegenüber ihrer Obrigkeit, mit der sie in das Jahr 2009 gehen, treffend wiedergegeben. Während die Bundespolitiker unisono beklagen, dass der Bundesbürger das Geld nicht mehr in der Tasche hat, was sie ihm vorher weggenommen haben, kommt gleich der nächste Zock: Mehrwertsteuer war gestern, Abgeltungssteuer ist morgen. Zu gut deutsch: Ein Viertel der Zuwächse der Altersvorsorge, die man den Bürgern allenthalben anmahnt, werden nun vom Fiskus einbehalten. Der Krankenkassenbeitrag wird bundesweit erhöht. Beides Maßnahmen, die den Haushalt einer Normalfamilie, gleiche Rentenerwartungen vorausgesetzt, leicht bis zu zehn Prozent belasten können. Beide Erhöhungen erscheinen wie eine bittere Ironie, wenn man sich erinnert, wie die Bundesregierung vor wenigen Jahren die Unternehmen schrittweise aus ihrer Beitragspflicht zu Rente und Krankenversicherung entlastet und erklärt hat, dass der Bürger sich nun „eigenverantwortlich“ um beides kümmern muss.
Spitzenverdiener werden dagegen, wie soll es anders sein, entlastet: Statt mit dem Spitzensteuersatz von 42 Prozent müssen sie ihre Zinseinkünfte nur noch mit dem Einheitssteuersatz von 25 Prozent versteuern. – Natürlich werden die Politiker aller Fraktionen wieder Krokodilstränen vergießen und von Mindestlöhnen faseln, wenn der nächste Armutsbericht, fällig im Mai 2009, wie jedes Jahr feststellen wird: „Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer tiefer.“
Aus solchen Gründen kann un-text diesmal leider nur den Millionären unter seinen Lesern ein gesundes neues Jahr wünschen: alle anderen müssen sehen, dass sie irgendwie über die Runden kommen.