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Das Domino-Prinzip

oder: See you later plagiator!

Klip, klip, klip – ein Dominostein stößt den nächsten um. Wer hat als Kind nicht schon mal seine Dominosteine in der Reihe so aufgestellt, dass der erste Stein, wenn er angestoßen wird, alle anderen umfallen lässt? Auch promovierte Politiker und Amtsträger proben derzeit das Domino-Prinzip. Sie fallen reihenweise um, weil sie sich „verpromoviert“ haben. Genau so, wie man heute Kriminalfälle aus den letzten Jahrzehnten mittels DNA-Analyse sehr leicht aufklären kann, kann man nun zurückliegende intellektuelle Vergehen vermittels einer Spezialsoftware in kürzester Zeit ahnden. Und es hat jedem klar sein müssen, dass zu Guttenberg nur der Anfang, oder sagen wir besser: die Spitze des Eisberges gewesen ist. So manch etablierte Autorität steht jetzt als kleines Dummchen da. Die Anforderungen an eine Promotion in Deutschland sind schon ziemlich niedrig. Sie haben diese aber noch unterboten.

Wenn Sting singt „history teaches nothing“, so stimmt das also nicht ganz. In den Archiven und Bibliotheken Vergangenheit liegt brisantes Material aus der Vergangenheit: DNA-Proben, Stasi-Akten und eben Dissertationen. Diese Materialien lehren uns tatsächlich einiges. Aber was eigentlich? Wenn es die Dissertationen betrifft, wohl nur, was wir schon vorher gewusst hatten: dass man in Deutschland mit eher geringer geistiger Ausstattung ganz gut eine politische oder Amts-Karriere machen kann. Eine gewisse Beschränktheit scheint inzwischen sogar Zugangsvoraussetzung für ein politisches Amt zu sein. Geistig zurechnungsfähige Menschen haben offenbar zu viele Selbstzweifel, als dass sie in der Sphäre der verbalen Schlammschlachten überleben könnten.

Die beim Schummeln Ertappten scheinen jedoch weniger von Selbstzweifeln geplagt zu sein. Ihrem Vorbild zu Guttenberg folgend liefern sie Rückzugsgefechte der billigsten Art. Von Teileingeständnissen, faulen Ausreden wie „man hat mich nicht in die Prinzipien wissenschaftlichen Arbeitens eingewiesen“ bis zu aggressiven Repliken und Klagen des Anwalts beherrschen sie alle das Instrumentarium der schrittweisen Selbstentblößung virtuos. Dass das schon mal schiefgegangen war, ist für sie kein Argument. Lernfähigkeit, soweit waren wir ja schon, gehört nicht unbedingt zu ihren Stärken. Jeder glaubt, dass er derjenige Dominostein in der Reihe ist, der vielleicht nicht umfällt oder wenigstens wiederaufgestellt wird. Eine Illusion, die sie mit den reihenweise ertappten Stasi-IMs und Kinderschändern  teilen. Allerdings gibt es einen kleinen Unterschied zwischen dem Domino-Kinderspiel und der Reihe der Plagiatsvorwürfe: bei der Reihe der Domino-Steine weiß man vorher schon genau, wie viele umfallen werden.

 

Christoph Columnus

Das Guttenberg-Syndrom

Um es vorweg zu nehmen: Ich bin dafür, dass zu Guttenberg im Amt bleibt oder der halbe Bundestag gefeuert wird. Der faux pas, den er sich geleistet hat, ist politisch weitgehend irrelevant. Es wäre schade, wenn er wegen einer Nebensächlichkeit entlassen wird und die großen Schweinereien im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Krieg ungesühnt bleiben. Da müssten aber, wenn er geht, nach gleichen Maßstäben viele andere auch gehen.

Erinnern wir uns: Seit Roland Koch ist die Lüge ein legitimes Mittel der deutschen Politik. Roland Koch hatte lauthals erklärt, dass er von den hessischen CDU-Spendenaffären nichts gewusst hat. Es stellte sich heraus, dass er alles gewusst hatte und er blieb im Amt. Später wurde er sogar erneut demokratisch legitimiert. Das bedeutet, dass auch der Wähler die Lüge als Mittel der Politik akzeptiert hat.

Anders zu Guttenberg: Er hat vor der Affäre, von ein paar kleineren Notlügen abgesehen, die man ihm nachgesehen hat, selbst nicht offen gelogen. Für das eigentliche Verbrechen, an dem er beteiligt ist, das Elend, das sich derzeit in Afghanistan abpielt, gehört der halbe Bundestag entlassen. Seine „Fälschungen“ in der Dissertationsschrift waren politisch nicht relevant. Sie ruhen in einem Buch, das, wenn man nicht zufällig darauf gestoßen wäre, aufgrund seiner geringen wissenschaftlichen Bedeutung für ewig in den Archiven und Bibliotheken verstaubt wäre. Politisch relevant und schwerwiegend sind seine folgenden Lügen: Richtig gelogen hat er erst im Rückzugsgefecht um seinen Doktortitel. So blöd kann niemand sein: Entweder er hat die Stellen bewusst geklaut und verändert oder er hat einen Ghostwriter beschäftigt.

Falls er die Arbeit selbst geschrieben hat, stellen sich eine Reihe von Fragen. Warum hat er, wenn man an vielen Universitäten die Seitenzahl einer Promotion auf 150 Seiten begrenzt (in Bayreuth allerdings nicht), so ein Riesenwerk geschrieben, in dem praktisch nichts steht? Schwer zu sagen. Vielleicht hat ihn der Doktorvater ermuntert? Vielleicht glaubte er mit mehr Umfang eine bessere Bewertung erreichen? Vielleicht wollte er selbst mal ein richtiges Buch und keine dünne Broschüre verfasst haben?

Was die Plagiate selbst betrifft, ist Folgendes klar: zu Guttenberg muss über mehrere Jahre klar gewesen sein, dass er mit fremden Textstellen arbeitet. Er hat sie intelligent eingefügt, dem Textfluss angepasst und selbst thematisch passen sie einigermaßen. Diese Arbeit muss begleitet gewesen sein von einem Bewusstsein seiner geistigen Unzulänglichkeit, Ähnliches mit eigenen Worten zu formulieren. Auch hier stellt sich die Frage: Warum? Warum hat er überhaupt promoviert? Er wäre auch ohnedies Minister geworden. Es scheint für alle diese Rätsel nur eine Erklärung zu geben: eine übermäßige Eitelkeit. Wenn man diese allerdings mit seinem „kreativen“ Umgang mit fremden Quellen zusammenrechnet, hat man allerdings ganz wichtige Voraussetzungen für das Handwerkszeug eines Politikers.

Diese Eitelkeit zusammen mit der in Deutschland sehr üblichen Praxis von Gefälligkeitspromotionen ergab die „kritische“ Masse, die ihn zu diesem unseligen Promotionsverfahren geführt hat. Es gibt genug Doktoren, die Schwierigkeiten haben, einen grammatikalisch korrekten Satz zu bilden. Von diesen hebt sich zu Guttenberg wohltuend ab. Insgesamt stellt sich also nicht sosehr die Frage nach Amt und Titel des Verteidigungsministers, sondern nach den Professorentiteln von Doktorvater und Gutachtern. Wer sein Fachgebiet beherrscht und die Arbeit wirklich aufmerksam gelesen hat, muss wenigstens Verdacht geschöpft haben. Ein Teil der Ideen, die zu Guttenberg „übernommen“ hat, sind wie auch ihre Autoren bekannt. Und: Eine Dissertation in Deutschland muss nach der Promotionsordnung der meisten Universitäten nicht notwendigerweise originell sein. Aber man muss auch nicht jeden Mist mit der Bestnote summa cum laude bewerten.

Christoph Columnus

 

Nachtrag vom 2.3.2011: Die Rücktritssrede hat die hier vertretene These, das zu Guttenberg von seiner eigenen Eitelkeit bis auf die Knochen durchfressen ist, bestätigt. Sein Argument, dass man sich um seine Dissertation gekümmert habe, nicht aber um die in Afghanistan gefallenen Deutschen deutet auf den eigentlich neuralgischen Punkt hin: Als Kriegsbefürworter ist er an deren Tod mit schuld!

Was, äh, machen wir da eigentlich in Afghanistan?

Deutschland hat Jahre gebraucht, um herauszufinden, was die eigene Armee in Afghanistan da eigentlich tut. Es mussten erst Soldaten sterben, ehe man das Wort „Krieg“ in den Mund nahm. Noch überraschender ist, dass unserer Verteidigungsminister darüber „überrascht und traurig“ ist, Wenn ich militärische Einheiten in ein Land entsende, die mit Geräten zum Töten ausgerüstet sind, und diese gegen vermeintliche Feinde einsetzen, kann ich nicht erwarten, dass sich dort niemand wehrt. Die „cleane“ Bomberei der US-Amerikaner im Irak hat den Eindruck erweckt, dass man militärische Operationen ohne jegliche Gegenwehr ausführen kann. Wenn sich die Truppen nicht in der Sicherheit von mehreren Tausend Metern in der Höhe befinden, sondern auf ebener Erde sieht das allerdings etwas anders aus. Es sterben nicht nur immer die anderen.

Noch katastrophaler als die Frage nach Krieg oder Nicht-Krieg sind die Antworten auf den Sinn des Einsatzes. Was wollen wir da eigentlich in Afghanistan und was können wir dort erreichen? Der derzeitige „Kampfauftrag“ der Bundeswehr ist eine Art militärisches Herumstehen. Es gibt keinen Kampfauftrag und keinen Feind, der bekämpft wird. Die Deutschen sind einfach nur da. Nichts mehr. Sie tun nichts, außer sich mit sich selbst zu beschäftigen. Eine Art militärische Onanie sozusagen, bei der sie immer mal überrascht werden. Was für die Entwicklungshilfe in Afghanistan ausgegeben wird, ist weniger als ein Hundertstel der Militärausgaben. Für die Ausbildung der Afghanischen Polizei und Armee hätte man zwanzig oder fünfzig gute Ausbilder schicken können, der Rest ist überflüssig. Wir versuchen einen Feind zu bekämpfen, den unsere Alliierten überhaupt erst geschaffen haben. Die Taliban sind ein amerikanisches Produkt aus Zeiten, in denen es noch gegen die Sowjetunion ging. Wenn man die Wortakrobatik zur Begründung des Einsatzes verfolgt, könnte mal das alles als eine einigermaßen teure Komödie betrachten. Die Afghanistan-Toten auf allen Seiten machen den Einsatz allerdings nicht nur zu einer Farce, sondern zu einer sinnlosen Tragödie.

Burning desire

Kürzlich habe ich mit meiner Tochter ein Experiment aus einem Chemie-Experimentierbuch ausgeführt. Dort heißt es, dass man einen Geldschein anzünden kann, ohne ihn zu verbrennen. Man muss ihn vorher in eine speziell zubereitete Alkohol-Wasser-Mischung tauchen. Dann brennt er und wenn das Feuer erlischt, ist er unversehrt. Bei uns klappte es natürlich nicht und der Fünf-Euro-Schein wurde schwarz.

Das misslungene Experiment gab mir zu denken: Vielleicht war auch die Mischung von Alkohol und Wasser nicht richtig oder aber es funktioniert mit Zwanzig-Euro-Scheinen besser. Die sind sicherlich „wertiger“ hergestellt. Ich schaue in mein Portemonnaie und finde dort einen Zwanziger. Vielleicht sollte ich es versuchen? Oder doch besser gleich mit einem Hunderter? Ich habe nur zwei Fünfziger, die müsste ich vorher tauschen. Wenn mich jemand fragt, wofür, was soll ich da antworten? „Zum Verbrennen?“ – Ich bekämpfe meinen inneren Drang gewaltsam mit dem Resultat, dass ich in der Nacht von brennenden Hundertern, Zweihundertern und Fünfhundertern träume. Sie strahlen eine wohlige Wärme aus.Beim Kaffee am darauf folgenden Morgen erzähle ich mir: es ist alles Quatsch! Hunderter verbrennen, so eine Idiotie! Aber irgendwie: das Verlangen bleibt.

Als ich dann in den Nachrichten sehe, das die Bayerische Landesbank dreieinhalb Milliarden in den Sand gesetzt hat, in den Sand(!???) dann kommen mir die Tränen. Ich stelle mir vor, welch schönes Geldfeuerchen man damit hätte entfachen können. Diese Traumtänzer! Sie hätten sich stattdessen ein Jahr lang täglich an einem Kaminfeuer von Hunderttausend 100-Euroscheinen wärmen können.

Milchmädchenrechnung

Die Gutgläubigkeit und Medienhörigkeit des deutschen Publikums übersteigt alle rationalen Grenzen. Das Ding von der Finanzkrise wird geschluckt und verdaut ohne Zwischenhalt. Zur Erinnerung: Als 2000 die Börsenkurse einbrachen hat niemand von Finanzkrise geschwafelt, obwohl der Einbruch viel stärker war als 2008. Der Dax war von 8.136,16 Punkten im März 2000 auf einen Tiefststand von 2.188,75 Punken im März 2003 gesunken. Er hatte sich fast geviertelt. Keine Finanzkrise! Von August 2007 mit einem Wert von 8.105,69 fiel er im Rahmen der „Finanzkrise“ auf 3.666,41 Punkte im März 2009. Gerade mal etwas mehr als eine Halbierung!

Warum war nun die Viertelung keine Finanzkrise und die Halbierung die schwerste seit 1929? Ganz einfach: Von 2000 bis 2003 hat man vor allem die Kleinanleger abgezockt. Viele von ihnen blieben drin bis zum bitteren Ende und verloren alles, was sie hatten, zum Teil sogar ihre Altersvorsorge. Die Banken und Großanleger waren längst raus. Am Tiefststand wurde den Kunden von den Banken noch geraten, endlich zu verkaufen, weil den ständigen Verfall des Vermögens könne ja keiner mit ansehen. 2008 hat es dagegen „die Richtigen“ auf dem falschen Fuß erwischt. Diesmal sind die institutionellen Anleger eingebrochen. Diesmal gab es kein gegenseitiges Kopfnicken und ein Rückzug aus den Märkten wie auf Absprache sondern ein Blutbad unter Großbanken und Versicherern.

„Vermögensvernichtung von nie gekanntem Ausmaß“ wird uns erzählt. – Vermögensvernichtung? So einfach geht das nicht. Immerhin ist die Geldmenge M3 sogar gestiegen! Es ist also alles noch da! Der alte Börsenspruch bei Kursverlusten: „Nein, nein, Ihr Geld ist nicht weg, das haben jetzt nur Andere“ gilt noch immer. Die große Preisfrage ist nur: Wer?

Angela Merkel und der 18. Brumaire

Angela Merkel hatte als Kind beneidenswert gute Noten im DDR-Staatsbürgerkundeunterricht, und unsereiner wähnte sie demnach nicht allein bibel- sondern auch sonst zitatenfest. Bei einer Podiumsdiskussion Mitte August indessen zeigte sich, dass doch nicht jeder Lehrsatz des Karl Marx unwandelbar bei ihr haften geblieben ist. Und es erwies sich einmal mehr, dass Zitate mitunter auch Glückssache sind. Auf die Frage, ob ihr an einer Fortsetzung der Koalition mit der SPD  gelegen sei, antwortete sie mit der Weisheit: „Die Geschichte wiederholt sich nicht, es sei denn, als Farce“.

Wir sehen uns gezwungen, Sie an dieser Stelle ein wenig zu berichtigen, verehrte Frau Kanzlerin. Sie haben sich auf das Feld des marxistischen Klassikers begeben, und der berühmte erste Satz seines „18. Brumaire“ lautet: „Hegel bemerkte einmal irgendwo, dass sich alles historische Geschehen gewissermaßen zweimal vollzieht. Er hat vergessen hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie und das andere Mal als Farce.“

Wenn Sie nun aber, verehrte Kanzlerin, mit Ihrem Einwand unsereinem zu verstehen geben wollten, dass Ihre bisherige Koalition mit der SPD für Deutschland eine Tragödie war, dann wäre dies etwas, dem wir nichts hinzuzufügen hätten.

Schuldig bei Verdacht

Wie auf Kommando fallen die deutschen Medien über die gewählte Regierung im Iran her. Die Oberdemokraten fordern neue Wahlen. Ahmadinedschad hat betrogen, das weiß doch jeder!

Jeder? Niemand weiß es! Er kann betrogen haben oder auch nicht. Wir werden es wahrscheinlich nie erfahren. Vielleicht ist es in diesem Zusammenhang interessant, herauszufinden, wer den Iran wirklich und nachweislich betrogen hat? Die Geschichte der britischen USA-Einflußnahme im Iran seit der Nachkriegszeit kann man nur mit Betrug bezeichnen. Erst installieret man ein Marionettenregime mit Schah, Mohammad Reza Pahlavi, und als das nicht so richtig funktioniert und Ayatollah Chomeini  mit einer von den Massen begrüßten islamischen Revolution antwortet, wird Saddam Hussein mit eindeutiger USA-Unterstützung auf den Iran gehetzt.

Zurück zu den Wahlen: die deutsche Presse behandelt die Tatsache, das Ahmadinedschad Wahlfälschung betrieben hat, als etablierte Tatsache. Was aber, wenn nicht? Dann kämpfen sie gegen die Demokratie! Dann kämpfen sie gegen demokratische Entscheidungen des iranischen Volkes! Das hat Tradition in der Bundesrepublik. Demokratie ist hier nur etwas wert, wenn der richtige gewählt wird. Hierzu muss man sich nur die Debatten in Deutschland nach der Wende ansehen, als den Ostdeutschen vorgeworfen wurde, sie seien zu blöd SPD oder CDU zu wählen. Parteien zu wählen, die nicht zum angestammten westdeutschen Spektrum gehörten, galt nicht als „Demokratie“.

Die Kommentare zu den Wahlen im Iran sind beredtes Beispiel für diese Demokratieauffassung. Da der Wunschkandidat nicht gewählt wurde, sind die Wahlen falsch. – Vielleicht sind sie gefälscht,  ich wiederhole es. Aber solange wir das nicht wissen können, ist es antidemokratisch diese Wahlen zu kritisieren. Faszinierend, dass es nur eines kleinen Antippens bedarf und alle Prinzipien der Demokratie, die sich die Apologeten dieser Gesellschaft gegenseitig gern immer wieder erzählen, kippen sofort um oder münden in einer offenen Ermunterung zum Terrorismus.

Kleinsparer klein gemacht und gut verschmiert: schönes neues 2009!

„Erklär mir meine Rechte, sperr mich ein, ich will von dir verhaftet sein!“ Element of Crime hat die demütige Haltung der Bundesbürger gegenüber ihrer Obrigkeit, mit der sie in das Jahr 2009 gehen, treffend wiedergegeben. Während die Bundespolitiker unisono beklagen, dass der Bundesbürger das Geld nicht mehr in der Tasche hat, was sie ihm vorher weggenommen haben, kommt gleich der nächste Zock: Mehrwertsteuer war gestern, Abgeltungssteuer ist morgen. Zu gut deutsch: Ein Viertel der Zuwächse der Altersvorsorge, die man den Bürgern allenthalben anmahnt, werden nun vom Fiskus einbehalten. Der Krankenkassenbeitrag wird bundesweit erhöht. Beides Maßnahmen, die den Haushalt einer Normalfamilie, gleiche Rentenerwartungen vorausgesetzt, leicht bis zu zehn Prozent belasten können. Beide Erhöhungen erscheinen wie eine bittere Ironie, wenn man sich erinnert, wie die Bundesregierung vor wenigen Jahren die Unternehmen schrittweise aus ihrer Beitragspflicht zu Rente und Krankenversicherung entlastet und erklärt hat, dass der Bürger sich nun „eigenverantwortlich“ um beides kümmern muss.
Spitzenverdiener werden dagegen, wie soll es anders sein, entlastet: Statt mit dem Spitzensteuersatz von 42 Prozent müssen sie ihre Zinseinkünfte nur noch mit dem Einheitssteuersatz von 25 Prozent versteuern. – Natürlich werden die Politiker aller Fraktionen wieder Krokodilstränen vergießen und von Mindestlöhnen faseln, wenn der nächste Armutsbericht, fällig im Mai 2009, wie jedes Jahr feststellen wird: „Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer tiefer.“
Aus solchen Gründen kann un-text diesmal leider nur den Millionären unter seinen Lesern ein gesundes neues Jahr wünschen: alle anderen müssen sehen, dass sie irgendwie über die Runden kommen.

Die Partei hat immer recht

Schöpfer des SED-Parteitagsliedes hat es jetzt ins deutsche Schulbuch geschafft

Erinnern Sie sich noch an das SED-Parteitagslied „Die Partei hat immer recht“? Der Schöpfer dieses Werks hat jetzt – so unglaublich das klingt – den Sprung in die bundesdeutschen Schulbücher geschafft. Und der Clou dabei: Diejenigen, die das veranlasst haben, wissen es nicht einmal.

Wie das kam? Vor einigen Tagen wurde in den Medien berichtet, dass der Hit der ostdeutschen Rockband Puhdys „Alt wie ein Baum“ jetzt Aufnahme gefunden hat in diversen Schulbüchern. Genannt werden die Schulbuchverlage Klett in Leipzig, Cornelsen in Berlin, Westermann in Braunschweig.

Doch ist das eben nur die halbe Wahrheit, denn der Text dieses Liedes ist nicht originär von der Band. Wer die DDR-Schule durchlaufen hat, der könnte es wissen: „Alt möchte ich werden wie ein alter Baum“ ist ein Gedicht von Louis Fürnberg, jenes Fürnbergs, der sich vor allem mit dem Lied „Die Partei, die Partei, die hat immer recht“ ein Denkmal setzte. Anfang der Fünfzigerjahre hatte der Dichter nicht allein den markigen Text geliefert, sondern auch gleich noch die Melodie dazu.

Die Puhdys haben Fürnbergs Vorgabe vom alten Baum gekürzt, bearbeitet und einfach daraus ein Lied gemacht. Übrigens ist den Rockern kein Vorwurf zu machen. Denn in ihrer Version von „Alt wie ein Baum“ heißt es ja ganz direkt: „… genau wie der Dichter es beschreibt“. Und nach diesem Dichter hätten sich die Schulbuchplaner erkundigen müssen. Das erspart später unter Umständen eine Menge Ärger.

Die Frage ist nun, darf man die Puhdys-Variante des Fürnberg-Gedichtes im heutigen Schulbuch abdrucken, ohne wenigstens darauf hinzuweisen, dass die Idee eigentlich ein anderer gehabt hatte?

Laut einer Zeitung haben die Puhdys 19,50 Euro Tantiemen für den Schulbuchabdruck von „Alt wie ein Baum“ erhalten. Wahrscheinlich wäre es gerecht und auch im Sinne der Urheber-Gesetzgebung, wenn sie jetzt öffentlichkeitswirksam die Hälfte davon den Fürnberg-Erben überweisen würden.

Können sie nicht einfach die Klappe halten?

Das derzeit größte Wirtschaftsrisiko für Deutschland geht nicht von der Finanzkrise aus, sondern von der Schwatzhaftigkeit seiner Politiker. Die Bekehrung der Welt über Demokratie, so genannte Freiheit und politische Korrektheit hat Deutschland bereits Milliarden gekostet. Merkel empfängt den Dalai Lama dessen Funktion als ‚Oberhaupt der Tibeter’ mindestens zweifelhaft ist. In Europa wird die Idee der Teilung in religiöse und staatliche Macht seit der Aufklärung gefeiert, wenn auch bis heute nicht realisiert. Wenn es um Tibet geht, werden Zustände des finstersten Mittelalters, religiöse gleich staatliche Macht, idealisiert und stilisiert. Russland soll sich von Georgien angreifen lassen, ohne sich rühren zu dürfen, während wir maximal ein tadelndes „dudu“ zustande bringen, wenn die USA den einzigen Machthaber im asiatischen Raum, der wirklich abgerüstet hat, angreift und ein sinnloses Menschenschlachten veranstaltet.

China, Indien und Russland sind inzwischen wirtschaftlich so stark, dass sie das deutsche altkluge Politikergesabber weitgehend ignorieren. Bisher sind es nur ‚wenige Milliarden’, die uns die Politikerweisheit gekostet hat. Die Politik der ‚Belehrung der Welt’ ist ein Auslaufmodell internationaler Kommunikation. Es ist eine Frage der Zeit, dass die erstarkenden Länder die Konsequenz ziehen werden, die Exponenten eines Landes nicht mehr ernst zu nehmen, das systematisch verblödet, weil es seine Milliardäre subventioniert und die Bildungsausgaben reduziert. Mit 500 Milliarden für die Bildung hätte Deutschland weltpolitisch noch eine Chance gehabt. 500 Milliarden für die Banken werden zu wenig sein, um die deutsche finanzpolitische Dummheit zu kaschieren.