Kalte Kriegspropaganda in der Leipziger Volkszeitung

Wenn die LVZ (15,04.2014, S. 3) titelt „Ist die Ost-Ukraine schon verloren?“, unterscheidet sich das von einer reinen Frontberichterstattung praktisch nicht mehr. Die Ost-Ukraine wäre also „verloren“, wenn sie an Russland fällt. Fällt sie an die Ukraine und damit an Westeuropa ist sie „gewonnen“. Klarer geht es nicht. Frontenkrieg zwischen „Wir, die Guten“ und „Rußland, die Bösen“. Offenbar das komplette Koordinatensystem dreier sächsischer Tageszeitungs-Journalisten. Alles was Michail Gorbatschow befürchtet hatte, ist eingetroffen. Nicht nur dass NATO-Truppen nun an russischen Grenzen stehen, sondern dass ein Großteil der freiheitlich-westlichen Propaganda die alten kalten Kriegsstrukturen wieder aufleben lässt.

An jeder anderen Ecke der Welt, Tschetschnien, Kroatien, Slovenien, war der Westen für Selbstbestimmung und Abtrennung. Nun versucht eine russische Mehrheit (!) sich Russland anzuschließen, dem sie ethnisch zugehören und in dem sie materiell auch besser leben. Diese durchaus menschlichen Gründe, aus denen viele DDR-Bürger für eine Wiedervereinigung votiert haben, sind uns hier auf einmal ferngesteuert.

Der zweite Beitrag auf der gleichen Seite setzt die Kriegsberichterstattung fort: „Nato setzt mit Seemanövern Zeichen der Stärke“. Beide Überschriften erinnern an eine Zeit, die in Deutschland schonmal als „aufgearbeitet“ galt. Das, was man Putin vorwirft, die Truppen an der Grenze zusammenziehen, tut die NATO nun selbst. Was erwartet man nun von ihm, nachdem man Rußland immer mehr auf die Pelle gerückt ist und die Fronten neu erschaffen hat? Abwarten?

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