Das Domino-Prinzip

oder: See you later plagiator!

Klip, klip, klip – ein Dominostein stößt den nächsten um. Wer hat als Kind nicht schon mal seine Dominosteine in der Reihe so aufgestellt, dass der erste Stein, wenn er angestoßen wird, alle anderen umfallen lässt? Auch promovierte Politiker und Amtsträger proben derzeit das Domino-Prinzip. Sie fallen reihenweise um, weil sie sich „verpromoviert“ haben. Genau so, wie man heute Kriminalfälle aus den letzten Jahrzehnten mittels DNA-Analyse sehr leicht aufklären kann, kann man nun zurückliegende intellektuelle Vergehen vermittels einer Spezialsoftware in kürzester Zeit ahnden. Und es hat jedem klar sein müssen, dass zu Guttenberg nur der Anfang, oder sagen wir besser: die Spitze des Eisberges gewesen ist. So manch etablierte Autorität steht jetzt als kleines Dummchen da. Die Anforderungen an eine Promotion in Deutschland sind schon ziemlich niedrig. Sie haben diese aber noch unterboten.

Wenn Sting singt „history teaches nothing“, so stimmt das also nicht ganz. In den Archiven und Bibliotheken Vergangenheit liegt brisantes Material aus der Vergangenheit: DNA-Proben, Stasi-Akten und eben Dissertationen. Diese Materialien lehren uns tatsächlich einiges. Aber was eigentlich? Wenn es die Dissertationen betrifft, wohl nur, was wir schon vorher gewusst hatten: dass man in Deutschland mit eher geringer geistiger Ausstattung ganz gut eine politische oder Amts-Karriere machen kann. Eine gewisse Beschränktheit scheint inzwischen sogar Zugangsvoraussetzung für ein politisches Amt zu sein. Geistig zurechnungsfähige Menschen haben offenbar zu viele Selbstzweifel, als dass sie in der Sphäre der verbalen Schlammschlachten überleben könnten.

Die beim Schummeln Ertappten scheinen jedoch weniger von Selbstzweifeln geplagt zu sein. Ihrem Vorbild zu Guttenberg folgend liefern sie Rückzugsgefechte der billigsten Art. Von Teileingeständnissen, faulen Ausreden wie „man hat mich nicht in die Prinzipien wissenschaftlichen Arbeitens eingewiesen“ bis zu aggressiven Repliken und Klagen des Anwalts beherrschen sie alle das Instrumentarium der schrittweisen Selbstentblößung virtuos. Dass das schon mal schiefgegangen war, ist für sie kein Argument. Lernfähigkeit, soweit waren wir ja schon, gehört nicht unbedingt zu ihren Stärken. Jeder glaubt, dass er derjenige Dominostein in der Reihe ist, der vielleicht nicht umfällt oder wenigstens wiederaufgestellt wird. Eine Illusion, die sie mit den reihenweise ertappten Stasi-IMs und Kinderschändern  teilen. Allerdings gibt es einen kleinen Unterschied zwischen dem Domino-Kinderspiel und der Reihe der Plagiatsvorwürfe: bei der Reihe der Domino-Steine weiß man vorher schon genau, wie viele umfallen werden.

 

Christoph Columnus

2 Gedanken zu „Das Domino-Prinzip“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.