Was, äh, machen wir da eigentlich in Afghanistan?

Deutschland hat Jahre gebraucht, um herauszufinden, was die eigene Armee in Afghanistan da eigentlich tut. Es mussten erst Soldaten sterben, ehe man das Wort „Krieg“ in den Mund nahm. Noch überraschender ist, dass unserer Verteidigungsminister darüber „überrascht und traurig“ ist, Wenn ich militärische Einheiten in ein Land entsende, die mit Geräten zum Töten ausgerüstet sind, und diese gegen vermeintliche Feinde einsetzen, kann ich nicht erwarten, dass sich dort niemand wehrt. Die „cleane“ Bomberei der US-Amerikaner im Irak hat den Eindruck erweckt, dass man militärische Operationen ohne jegliche Gegenwehr ausführen kann. Wenn sich die Truppen nicht in der Sicherheit von mehreren Tausend Metern in der Höhe befinden, sondern auf ebener Erde sieht das allerdings etwas anders aus. Es sterben nicht nur immer die anderen.

Noch katastrophaler als die Frage nach Krieg oder Nicht-Krieg sind die Antworten auf den Sinn des Einsatzes. Was wollen wir da eigentlich in Afghanistan und was können wir dort erreichen? Der derzeitige „Kampfauftrag“ der Bundeswehr ist eine Art militärisches Herumstehen. Es gibt keinen Kampfauftrag und keinen Feind, der bekämpft wird. Die Deutschen sind einfach nur da. Nichts mehr. Sie tun nichts, außer sich mit sich selbst zu beschäftigen. Eine Art militärische Onanie sozusagen, bei der sie immer mal überrascht werden. Was für die Entwicklungshilfe in Afghanistan ausgegeben wird, ist weniger als ein Hundertstel der Militärausgaben. Für die Ausbildung der Afghanischen Polizei und Armee hätte man zwanzig oder fünfzig gute Ausbilder schicken können, der Rest ist überflüssig. Wir versuchen einen Feind zu bekämpfen, den unsere Alliierten überhaupt erst geschaffen haben. Die Taliban sind ein amerikanisches Produkt aus Zeiten, in denen es noch gegen die Sowjetunion ging. Wenn man die Wortakrobatik zur Begründung des Einsatzes verfolgt, könnte mal das alles als eine einigermaßen teure Komödie betrachten. Die Afghanistan-Toten auf allen Seiten machen den Einsatz allerdings nicht nur zu einer Farce, sondern zu einer sinnlosen Tragödie.

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