Die Partei hat immer recht

Schöpfer des SED-Parteitagsliedes hat es jetzt ins deutsche Schulbuch geschafft

Erinnern Sie sich noch an das SED-Parteitagslied „Die Partei hat immer recht“? Der Schöpfer dieses Werks hat jetzt – so unglaublich das klingt – den Sprung in die bundesdeutschen Schulbücher geschafft. Und der Clou dabei: Diejenigen, die das veranlasst haben, wissen es nicht einmal.

Wie das kam? Vor einigen Tagen wurde in den Medien berichtet, dass der Hit der ostdeutschen Rockband Puhdys „Alt wie ein Baum“ jetzt Aufnahme gefunden hat in diversen Schulbüchern. Genannt werden die Schulbuchverlage Klett in Leipzig, Cornelsen in Berlin, Westermann in Braunschweig.

Doch ist das eben nur die halbe Wahrheit, denn der Text dieses Liedes ist nicht originär von der Band. Wer die DDR-Schule durchlaufen hat, der könnte es wissen: „Alt möchte ich werden wie ein alter Baum“ ist ein Gedicht von Louis Fürnberg, jenes Fürnbergs, der sich vor allem mit dem Lied „Die Partei, die Partei, die hat immer recht“ ein Denkmal setzte. Anfang der Fünfzigerjahre hatte der Dichter nicht allein den markigen Text geliefert, sondern auch gleich noch die Melodie dazu.

Die Puhdys haben Fürnbergs Vorgabe vom alten Baum gekürzt, bearbeitet und einfach daraus ein Lied gemacht. Übrigens ist den Rockern kein Vorwurf zu machen. Denn in ihrer Version von „Alt wie ein Baum“ heißt es ja ganz direkt: „… genau wie der Dichter es beschreibt“. Und nach diesem Dichter hätten sich die Schulbuchplaner erkundigen müssen. Das erspart später unter Umständen eine Menge Ärger.

Die Frage ist nun, darf man die Puhdys-Variante des Fürnberg-Gedichtes im heutigen Schulbuch abdrucken, ohne wenigstens darauf hinzuweisen, dass die Idee eigentlich ein anderer gehabt hatte?

Laut einer Zeitung haben die Puhdys 19,50 Euro Tantiemen für den Schulbuchabdruck von „Alt wie ein Baum“ erhalten. Wahrscheinlich wäre es gerecht und auch im Sinne der Urheber-Gesetzgebung, wenn sie jetzt öffentlichkeitswirksam die Hälfte davon den Fürnberg-Erben überweisen würden.

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